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Das große Gleiten


Probleme lösen, Schlittschuh laufen und dabei toll aussehen: „Dornröschen on Ice" in der Alten Oper

JUDITH VON STERNBURG
12 / 05

Es muss eben auch möglich sein, dass einmal einfach alles schön ist, die Damen elastisch, die Herren stark, die Kostüme aus Samt und Taft und andauernd anders, und der Thronsaal sieht aus wie ein Thronsaal, und die Prinzessin ist die blondlockigste unter den Frauen, und dazu gibt es Musik von Tschaikowsky (etwas blechern vom Band, sei's drum). Und damit es schneller geht, als der Choreograf Marius Petipa es sich je hätte erhoffen konnte, laufen alle Beteiligten wahnsinnig gut Schlittschuh. So. Dornröschen on Ice, dargeboten von einer russischen Truppe, die „The Imperial Ice Stars" heißt und weltweit unterwegs ist, gastiert jetzt erstmals in Deutschland und vorerst in der Alten Oper Frankfurt.

Dort wurde eigens eine Eisfläche eingerichtet (14 Tonnen Eis, liest man, 14 000 Liter Wasser, 2500 Liter Frostschutzmittel, Elektrizität für 45 Heizöfen etc.), die nun die Schlittschuhläufer bis in den letzten Winkel nutzenum dann eissprühend abzubremsen und zarten Seelen den letzten Nerv zu raube) i-füreine Winterkindererinnerungstraumreise. Prinzessin Aurora und ihr Prinz, ein gewisser Ddsir~, müssen dabei zunächst warten. Vorerst kommen Nebel auf, die böse Fee schwebt hernieder und lässt die Kufen fauchen. Sie und ihr wildes Heer mischen bald die bessere Gesellschaft auf, die - die Stimme von Heiner Lauterbach erläutert zwischendurch mit einer Nuance Ironie das Nötigste - anlässlich der Geburt von Aurora ein gewisses Ritual nicht eingehalten hat. Diener Catalabutte ist daran Schuld, aber Anton Klykov ist mit den Sprungfedern in seinen Gelenken und anderen akrobatischen Großtaten der unheimliche Star des Abends. Insofern nimmt ihm keiner etwas übel, erstens, und ohne seinen Fehler käme die Handlung gar nicht in Gang, zweitens: Nachdem nämlich Aurora rasch vom Baby zu Mandy Wötzel aus Chemnitz wurde, die eine erfolgreiche Karriere hinter sich hat (darunter Bronze in Nagano), darf sie nur kurz aufs Eis, bekommt dann eine Giftrose gereicht und schläft ein. Dann ist Pause.

Als Vadim Yarkov, Ddsir€ also, anschließend im Rahmen einer feschen Jagdgesellschaft vorbeikommt, lernt er zunächst die lieben Feen kennen, trifft auch Catalabutte. Man ist schnell einig - Aurora muss geweckt werden -, fährt aber noch eine Partie Schlittschuh, bevor es zum Zug gegen das Böse geht. Dieses hat sich inzwischen garstig vermehrt. Es kommt zu einem sehenswerten Entscheidungskampf auf dem Eis. Der erste Eindruck, der ja auch eine gesellschaftliche Logik hat, dass Diener springen, Prinzen aber springen lassen, bestätigt sich nur teilweise. Entscheidende Schläge führt der Prinz selbst aus. Seine künftige Gemahlin lässt er bald über seinem Kopf kreiseln, wie ein chinesischer Jongleur einen Teller.

Tatsächlich machen die Schlittschuhe das Ballett hier nicht lachhaft, sondern erfüllen seinen Wunsch nach einem Weiter-und-immer-weiter-Gleiten. Und trippeln können Eiskunstläufer auch, wenn es sein muss.

ALTE OPER FRANKFURT: bis 31. Dezember. Karten-Tel. 069/1340400, www.alteoper.de