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Kuss nach hundert Jahre

Show - Dornröschen zieht die Schlittschuhe an: Für das sportliche ärchenballett nach Tschaikowsky macht die Alte Oper in Frankfurt die Bühne zur Eisfläche

VON JÖRN BENDER
12 / 05

FRANKFURT. Nebel wabert über den Bühnenrand, Kufen kratzen übers Eis - in ungewohnter Kulisse präsentiert sich in diesen Tagen eine alte Bekannte dem deutschen Publikum: Dornröschen. Auf 14 Tonnen Eis tanzt unter anderen Eiskunstlauf-Weltmeisterin Mandy Wötzel das von Tschaikowsky vertonte Märchen. Am Donnerstagabend ließen sich rund 2000 Besucher bei der Deutschlandpremiere in Frankfurts Alter Oper von der Geschichte um die böse Fee, die schlafende Schöne und ihren küssenden Retter verzaubern.

Pirouette über Pirouette dreht das Ensemble auf engstem Raum, und das im doppelten Sinne meisterlich: 23 Welt-, Europa- und Landesmeister gehören zu der Truppe der „Imperial Ice Stars", fast alle kommen aus Russland oder anderen Teilrepubliken der ehemaligen Sowjetunion. Zum Star der Produktion rufen die Veranstalter allerdings die Chemnitzerin Wötzel in der Titelrolle der Prinzessin Aurora aus. Aurora ist - so erzählt es auch das an das Märchen der Brüder Grimm angelehnte Ballett - zu Anfang ein Baby und fällt bald in einen hundertjährigen Schlaf.

In den Vordergrund spielen sich andere: die artistische Fee Carabosse (Viktoria Kuzmenko), die Aurora verflucht, der spritzige königliche Diener Catalabutte (Anton Klykov), dessen Fehler den Fluch auslöst, und die anmutige Flieder-Fee (Olena Pyatash), die Aurora rettet. Der eigentliche Retter, Prinz Desire (Vadim Yarkov), küsst Dornröschen am hinteren Bühnenrand eher beiläufig aus dem Schlaf.

Der ungewohnte Rahmen fordert von den Künstlern außergewöhnliche Leistungen. Bisweilen tummeln sich 16 Tänzerinnen und Tänzer gleichzeitig auf den 16 mal 16 Metern. „Eine Schwierigkeit war,'die Eiskunstlauf-Figuren von einer großen Halle auf so eine kleine Bühne zu bringen", sagt Wötzel.

Auch für die Alte Oper ist die Produktion eine Premiere: Erstmals wird die Bühne zur Eisfläche. Ein 15 Kilometer langes Rohrsystem kühlt die Fläche auf minus 15 Grad. 34 Stunden dauert die Vorbereitung, ehe die Show beginnen kann, erklärt der künstlerische Leiter Tony Mercer. Er versichert: „Das Publikum sitzt im Warmen - und selbst wenn das Eis wegen eines technischen Defekts schmilzt, wird der Zuschauerraum nicht geflutet."

Die Premierengäste in Frankfurt tauten trotzdem erst in der zweiten Hälfte der knapp zweistündigen Aufführung auf. „Fast einhundert Jahre waren vergangen", hatte der Erzähler - der wie die Musik vom Band kommt - zuvor mit sonorer Stimme verkündet. Nach einigen artistischen Einlagen gegen Ende der Show gab es kräftigen Beifall, zuvor hatte das Publikum eher verhalten auf die Darbietung reagiert.


Vom 25. bis 31. Dezember in der Alten Oper Frankfurt, jeweils 20 Uhr. Am 26. und 31. Dezember zusätzlich um 15 Uhr. Karten (20 bis 88 Euro) unter Telefon 0180 5152530.