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Cooles Märchen

Deutschlandpremiere „Dornröschen on Ice" frei nach Tschaikowsky in der Alten Oper

ROMAN WEIGAND
24 / 12 / 05

Zugegeben, wer an „Dornröschen" denkt, assoziiert damit nicht unbedingt physikalische Größen wie Beschleunigung und Fliehkraft. Sie scheinen so gar nichts zu tun zu haben mit dem Märchen um die todesähnlich schlafende Prinzessin, das verwunschene Schloß, in dem selbst Wind und Feuer 100 Jahre ruhen, und dem rettenden Prinzen, der Dornröschen mit sanftem Kuß weckt. Wer aber gesehen hat, wie die „Imperial Ice Stars" bei ihrer Deutschlandpremiere in der Frankfurter Alten Oper Tschaikowskys Ballett in freier Adaption auf eine 16 mal 16 Meter große Eisfläche zauberten, der mag eines Besseren belehrt worden sein. Zumal die Besucher in den ersten Reihen. Sie dürften am Donnerstag abend nicht nur einmal den Atem angehalten haben, als ihnen die Eistänzer auf der erhöhten Bühne in vollem Lauf entgegenwirbelten, dabei unglaubliche Sprünge und Drehungen vollführten und erst im letzten Moment das scharfkantige Metall unter ihren Schuhen ins Eis stemmten und zum Stehen kamen.

Allen voran der königliche Diener Catalabutte, durch dessen Vergeßlichkeit die böse Fee Carabosse nicht zur Taufe Auroras, wie Dornröschen in der frarizösischen Vorlage von Charles Perrault heißt, eingeladen wird. Anton Klykov überschreitet am stärksten die Genregrenzen vom Tanz hin zur Schauspielerei. Er taucht den tragikomischen Catalabutte in ein Wechselbad aus Übermut und Verzweiflung. Eisläuferisch geht Klykov dabei aufs Ganze, schlägt Räder, macht Saltos, springt durch die Luft und vollführt waghalsige Bremsmanöver auf der hinteren Spitze der Kufen. Anders die würdevoll lila gekleidete Fliederfee, die den bösen Zauber abmil dert und Catalabutte hilft, Auroras königlichen Retter zu finden. Die jüngste der Feen schwebt mit ihrem Fliederprinzen, der sie umschlingt und behutsam durch die Lüfte liebt, in wunderbaren Paartänzen übers Eis. Auch führt sie gemeinsam mit Catalabutte den Kampf gegen die fledermäusig-böse Carabosse. Viktoria Kuzmenko verleiht der Fee der Unterwelt mit eckigen Jazztanzelementen einen diabolischen Charakter. An einem Seil hängend zieht sie gravitätisch Kreise bis weit in den Zuschauerraum hinein und konterkariert so die ' Leichtigkeit der übrigen Elfen, Feen und Fabelwesen. Diese amüsieren sich unbeschwert in lyraförmigen Schaukeln oder auf Stelzenschlittschuhen.

In all dem bunten Treiben kommen die Auftritte der aus Chemnit2 stammenden früheren Weltmeisterin Mandy Wötzel in der Rolle der Aurora fast ein wenig kurz. Selbst bei ihrem traumhaftem Liebestanz, den sie zu den leisen Klängen des SoloCellos innig mit dem Königssohn aufs Eisparkett legt, funkt die Fliederfee dazwischen. Dem künstlerischen Leiter Tony Mercer und seiner Choreographin Tatiana Tarasova ist dennoch hoch anzurechnen, wie abwechslungsreich und bunt sie das virtuose Kammerspiel auf engem Raum verdichtet haben, ohne dabei zu sehr ins Schwelgerische zu geraten - nicht zuletzt dank ihres hochkarätigen Ensembles.